Le Monde Diplomatique – November 2011
Veröffentlicht: 11. Dezember 2011 Einsortiert unter: Allgemein Schreibe einen Kommentar »3 Artikel die gelesen werden sollten in der Le Monde Diplomatique (deutsche Ausgabe) vom November 2011:
- Der Mensch im Kapitalismus – Lucien Sève
Die anthropologische Frage, obwohl ebenso dringlich wie die ökologische, wird viel zu selten gestellt, zu wenig bedacht, oft nicht einmal benannt. […] Die auffälligste Fehlentwicklung der Zivilisation ist die Vermarktung alles Menschlichen. Der Kapitalismus begründete die universelle Warenherrschaft, die den Verkauf von Arbeit als Quelle des privaten Profits bevorzugt. Indem er die menschliche Arbeitskraft selbst zur Ware macht, verdinglicht er mit den Sachen auch die Personen: Seine Majestät, das Kapital, „gibt Arbeit an die Arbeitskräfte“, so die Sichtweise.
Der letzte Satz verdeutlicht das Problem, welches durch Arbeitsmäkte kommuniziert wird, in denen Arbeitsanbieter über die Zurverfügungstellung der Mittel zur Lebensführung bestimmen. Wenn ein Marktteilnehmer über die Mittel des Anderen bestimmen darf, gibt es keine inhärenten Mechanismen die einen Regelungskreis aufbauen, welche zu einem Machtgleichgewicht führen können. Stattdessen ergibt sich ein Verhalten, aufgrund der Marktkräfte, dass in letzter Konsequenz asozial wird. Lucien Sève macht deutlich, dass wir unser Augenmerk auch darauf lenken sollten, was es bedeutet Mensch zu sein und welche Mechanismen unser Menschsein bedrohen und wie wir dem begegnen können.
- Standardgefühle – Eva Illouz
Damit der Mensch immer rentabler werde, haben sie die Seele standardisiert.
Ein Artikel der so endet, verdient es gelesen zu werden. Eva Illouz zeigt, wie Persönlichkeitstests und Westentaschenpsychologie nur zu neuen Schubladen im Menschenbild führen. Wie soll auch standardisiert werden, was seine Existenz aus sich selbst und seiner Einzigartigkeit bezieht.
- Ein Schritt vor, ein Schritt zurück – Wendy Kristianasen
Ein kurzer Abriss über die politische Lage in der Türkei und die Ergebnisse und Möglichkeiten der starken Regierung von Erdogan.